Nur soviel…

Ja, jetzt auch hier, sorry.

#aufschrei ist eine Aktion, bei der von Sexismus betroffene Frauen ganz persönlich erlebte Situationen schildern. Mehr nicht. Es ist per se kein Anprangern. Kein (Vor-)Verurteilen von Männern. Kein Opferaboding. Keine Schwanz-ab-Diskussion.

Die Vielzahl der Tweets, die unter diesem Hashtag binnen Minuten einschlugen, lassen einigen Spielraum an Schlussfolgerungen zu. Jeder nimmt die Aktion überaus subjektiv wahr.

Was diese Aktion definitiv nicht ist: eine Aufforderung an andere Frauen, sich doch bitte mal ganz groß das eigene Ego aufzublasen, indem man Geschlechtsgenossinnen zu Gänseblümchen, die einfach gerne Opfer sind und/oder zu keifenden Emanzen degradiert, die mit Männern nicht können.

Sexismus existiert. Im Alltag. Je nach Tagesform nimmst du das entweder gar nicht wahr, amüsierst du dich oder regst dich eben drüber auf. Im besten Fall. Keine kauert stundenlang heulend unter der Dusche, weil ihr in der U-Bahn jemand zuzwinkert. Aber “hey Mäuschen, du hast Titten, ich muss dich deshalb nicht ernst nehmen, darf dafür aber Sprüche klopfen wie ich lustig bin” ist eine Einstellung, die man bei manchen Männern durchaus antrifft. Und darauf zu reagieren nervt einfach. Du musst dich irgendwie mit Kackscheiß auf Mario-Barth-Niveau beschäftigen und hast darauf einfach keinen Bock.

Teilweise sind auch fiese Übergriffe von Lehrern/Chefs Thema. Fies deshalb, weil die Karaseks dieser Welt gelernt haben, dass Popo-Grabschen echt nicht geht, den Anschluss an Respekt aber verpasst haben und deshalb eben verbal “zugreifen”. Dies ist so subtil, dass du als Frau nicht mal eben Ohrfeigen verteilen kannst/willst/darfst, dich aber trotzdem missbraucht fühlst.

Und irgendwann tut es gut, das a) ins Internet kotzen zu dürfen und b) festzustellen: es gibt mehr wie mich.

#aufschrei ist erst mal nichts weiter, als türknallend nach Hause zu kommen und eben genau das tun – aufschreien. Dass das auf Twitter so laut geschah, hat gezeigt, dass (Alltags-)Sexismus ein großes Thema ist. Dass das ein sensibles Thema ist. Und dass darüber dringend diskutiert werden muss. Einen #aufschrei-Tweet als Kriegserklärung zu verstehen oder mit “dann wehr dich doch” abzutun ist noch niveauloser als ein weinseliger Brüderle.

Danke, Herm!

2 comments

  1. Danke für diesen Post zum Thema!, und die [wiederholte] Verlinkung auf Herm! Jetzt hab’ ich ihn endlich auch im Feedreader.

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