17
Jul 14

Fleischeslust

1990 aß ich zum letzten Mal Fleisch. Erst aus Tierliebe, dann aus richtigem Ekel, dann weil es mir einfach in Fleisch (haha!) und Blut übergegangen war. Ich habe aber nie missioniert und wenn jemand Fleisch gerne mochte, war das kein Thema, der Charakter zählt. Ich hatte meinen Tanzbereich, die anderen ihren. Das war und ist mir sehr, sehr wichtig: Leben und leben lassen.  Ernährungsprogramme, Fach- und Sachbücher oder gar Foren gab es noch nicht. 

Es war sogar so, dass ich immer der absolute Exot war und mir von teilweise wildfremden Menschen Vorträge über Gesundheitsnachteile etc. anhören musste oder sich total unbeteiligte Leute berufen fühlten, mich zu meinem ganz persönlichen Lebensstil verhören zu dürfen. 

Vegetarisches Essen unterwegs bestand aus: Pommes. Sojaprodukte gab es in ganz speziellen Ökoläden am Arsch der Welt, wurde von merkwürdigen Leuten verkauft, die mich blöde anglotzen weil ich Deo benutze zum Friseur gehe nicht dem in der Prä-Hipster-Phase gängigen Menschenbild entsprach und schmeckte Scheiße. Alles in allem war ich ständig ein Außenseiter – bei den einen, weil ich vermeintlichen Hirngespinsten nachging, bei den anderen, weil ich vergleichsweise tussig aussah.

In den letzten Jahren war ich völlig fasziniert, welchen Stellenwert die Ernährungsgewohnheiten in unserer Gesellschaft eingenommen haben. Ich meine, es geht um Essen! Ein Problem gibt es in meinen Augen erst, wenn jemand kein Essen hat. Jeder, wie er/sie mag. Das einzige, womit ich immer ein Problem hatte (und habe) ist diese Billig-Mentalität. Fleischprodukte zum Spottpreis und das dann täglich mehrfach, das kann nicht in Ordnung sein. Ansonsten ist der Mensch nun mal einfach ein Allesfresser/Raubtier und das ist auch völlig in Ordnung. Wenn auch nicht für mich. Es gibt mittlerweile eine dermaßen große Auswahl an Veggi-Produkten, dass man echt nichts mehr vermisst. Und schief angesehen wird man ja jetzt eher, wenn man sich als Fleischesser outet. Das ganze Ernährungsding hat beinahe religiöse Züge angekommen, die manchmal direkt gruselig sind.

Ich hatte seither zwei körperlich herausfordernde Phasen durchgestanden und die endeten jeweils in einer wahnsinnigen Gier nach Fleisch. Wenn der Waschbär ein Schnitzel auf dem Teller hatte, hätte ich direkt reinbeißen können. Da lag immer noch ein Leichenteil, aber es war nicht mehr eklig. Nur mit äußerster Willenskraft habe ich mich dann vom Fleischessen abhalten können.

Vor exakt 6 Wochen passierte das Gleiche wieder. Unbändige Fleischeslust. Kein bisschen Ekel mehr. Und ich gab ihr nach. Ich meine, mein Körper hat wirklich nach Fleisch gebrüllt. Und wenn mein Körper nach dieser schlimmen Zeit ein Zeichen gibt, höre ich auf ihn. Hätte ja auch gut sein können, dass es mir nicht schmeckt (keine Ahnung mehr, wie Fleisch eigentlich schmeckt). Oder dass mir davon schlecht wird (mein Organismus hat das Fleischverarbeiten vielleicht echt verlernt?). Oder dass ich aus lauter schlechtem Gewissen schlaflose Nächte bekomme (so what).

Nichts dergleichen. Es war unglaublich lecker! Es hat so wunderbar gut getan! Und seitdem: BÄM! Fleischesser. Ich könnte jeden Tag. Und es tut mir gut! Ich weiß, dass meine Nährstoffmängel von anderen Baustellen kamen/kommen. Ich weiß, dass man auch vegetarisch gesund leben kann. Ich weiß nicht, ob das eine Phase ist oder ob ich mich um 180° gedreht habe. Ich weiß nur: das Leben ist kurz. Und wenn dein Körper Signale sendet: hör auf ihn!

Tja. Ich jetzt so. Ich staune über mich selber. Aber solange ich sonst keine merkwürdigen Gelüste entdecke, genieße ich einfach das Leben. Und lecker Essen. 


16
Jul 14

Tadaaaa!

So. Therapie erfolgreich zu Ende gebracht!! Die letzten vier Monate waren wirklich ein harter Ritt, aber hat sich gelohnt – die Erregeranzahl ist auf eine minimale, nicht mehr behandlungsbedürftige Anzahl geschrumpft. Ganz ehrlich, ich war so gerüht, dass ich nasse Augen bekam. Das hat wiederrum meinen Doc so gerührt, dass er, zum ersten Mal seit ich ihn kenne, richtig menschlich wurde. Hach!

Es gibt noch viel mehr zu verbloggen, aber so für´s Erste muss ich mich jetzt freuen, freuen und nochmal freuen ;-)

Bis bald ihr Lieben. Hach!


29
Mrz 14

Neues

So ziemlich unmittelbar nach dem letzten Post war alles wieder gut. Jedenfalls hat der Waschbär realisiert, was mich gerade so umtreibt und wie wichtig mir deshalb einige Dinge sind. Das Häuschen wird bald unseres sein. Das bedeutet zwar, den Schwager auszahlen und eine Riesenbaustelle wegen Umbauarbeiten, aber da ist noch ein bisschen hin und mein Zuhause ist sicher.

Relativ spontan kam mir auch die Eingebung, sofort nach Teilzeit zu fragen und nicht erst, wenn ich im Juli die neuesten Blutergebnisse bekomme und die miserabel sind. Natürlich befristet, bis die Tablettenrunde vorbei ist. Relativ geringe Heilungschance heißt ja wohl, dass – wenn auch marginal – eine Heilungschance besteht. Und ich will mir nichts vorwerfen müssen und ich will gesund werden. Die ganze Geschichte ging binnen eines Tages über die Bühne, dienstags habe ich mal unverbindlich in der Personalabteilung nachgefragt, mittwochs hatte ich die Genehmigung.

Wie es immer so ist, war dann Theorie und Praxis doch zweierlei. Anstatt mittags nach Hause zu gehen und zu entspannen, Zeit für mich zu haben, brach der Stress los und ich kam abends total am Ende nach Hause.

Jetzt ist allerdings erst mal Ruhe und ich kann mit Entspannen loslegen. Also, sofern das klappt, wenn man sich´s vornimmt. Ich sehe das aber ziemlich optimistisch. Das wird jetzt erst mal eine Umstellung und ich werde wohl nicht die Nachmittage im Straßencafé verbringen, aber endlich mal so ein bisschen den Kopf frei kriegen und die Dinge gelassener sehen zu können ist auch unendlich wertvoll.


07
Mrz 14

Weltuntergang

So, Emopost jetzt. Aber sind wir ehrlich: wenn du jahrelang schwächelst und dann final umfällst, hast du keine Freunde mehr, bei denen du dich ausheulen kannst. “Fakten auf den Tisch” gehört auch zu meinem neuen Ich.

So. Als ich im Januar die Testergebnisse vom Doc bekam, war mir fast schlecht vor Angst. Ich hatte noch im Hinterkopf, dass die Behandlung entweder funktioniert oder eben nicht. Im Falle von “eben nicht” hätte das 4 Monate Antibiotika bedeutet. Nun beuteln mich die Spezialtabletten schon genug, ich wusste, Antibiotika hätte mich wieder in Grund und Boden gebeutelt. Das nachdem ich mühselig wieder so etwas wie Leben hatte, hätte ich psychisch nicht durchgestanden.

Nun interessierte das meinen Waschbär leider so gar nicht. Ich bat ihn im Vorfeld mehrfach, mit mir mitzukommen, wenn die Ergebnisse da sind. Er hat es da ein wenig an Begeisterung fehlen lassen, aber das ist verständlich. Warum um ungelegte Eier sorgen. Und das auch noch, bevor überhaupt Ergebnisse da sind. Außerdem war er ja im letzten Jahr zu genüge mit mir beim Arzt. Als die Benachrichtigungspostkarte – ausgerechnet an einem Freitag! – dann da war, bat ich ihn, einen Termin auszumachen. Es ist nämlich so, dass ich jederzeit Urlaub nehmen kann, er jedoch mit dem Hotel ziemlich eingespannt ist. Ich weiß nicht, wie´s euch geht, aber ich interpretiere mehrfaches Spontaneinschlafen als komplettes Desinteresse. Vor allem, wenn es mehrfach an zwei Tagen passiert.

Nun bin ich letztes Jahr durch die ganze Geschichte so gedemütigt worden (Danke, Frau Dr. W.. Danke, DAK), dass ich nicht darum betteln wollte, nicht alleine ins Sprechzimmer zu müssen. Also hab ich die Sache auf sich beruhen lassen und gleich Montag morgens beim Doc angerufen und Gottseidank gleich noch für den gleichen Tag einen Termin bekommen. Jeder Tag mehr Warten hätte mich in den Irrsinn getrieben.

Der Arzt erzählte mir dann, dass meine Laborergebnisse insofern spitze waren, als ich, was den Borrelienindex (fragt mich nicht, ich weiß es selbst nicht) angeht, von 50 auf 6 gesunken bin. Ergo, die Behandlung funktioniert. Das ist aber immer noch ein schlechter Wert. Die meisten seiner Patienten würden um den Dreh rum erst mit der Therapie anfangen.

Also wieder vier Monate Tabletten. Das alleine hat mich schon massiv runtergezogen, ich wusste einfach, dass mir ein erneuter Kampf bevorsteht. Buchstäblich, ich herxe von der ersten bis zur letzten Tablette und das ist alles, nur kein Spaziergang. Wenn´s auch ein gutes Zeichen ist.

Dass er mir weiterhin gesagt hat, dass meine Krankheit chronisch ist, hatte ich dann mehr so im Hinterkopf. Er hat mir sehr ausführlich erläutert, dass es im Grunde so läuft, dass ich mit Tabletten den Bakterienbestand auf Null bekommen kann. Dass die Dinger aber eben intrazellulär sind. Also eine der hartnäckigsten Krankheiten, die man bekommen kann. Falls also tatsächlich – was ansich unwahrscheinlich ist – tatsächlich alle gekillt sind, es durchaus sein kann, dass “schlafende” tief im Gewebe reaktiviert werden und die ganze Scheiße wieder und wieder und immer wieder ausbricht. Fakt: ich bin chronisch krank und werde nie wieder das sein, was ich mir persönlich unter “gesund” vorstelle. Ich habe das dem Waschbär dann natürlich alles gleich erzählt, ich kann alles, nur akute Gefühle verbergen nicht. Das Interesse war eher so mittelmäßig. Der Waschbär ist erstens Meister im Verdrängen und zweitens im “Aufschieben bis die Katastrophe dann tatsächlich da ist”. Ich beneide ihn darum, ich raube mir ziemlich viel Kraft, indem ich mir im Vorfeld massiv Gedanken mache und Pläne schmiede. Ich brauche immer einen Plan B und C und D, um mich sicher zu fühlen.

Als erstes galt es dann, die allererste, brutale Herx-Zeit durchzustehen. Ich nahm dann erst mal – halbtags – Urlaub. Ich wollte alles, nur nicht schon wieder arbeitsunfähig sein. So ein kleines bisschen festhalten am Strohhalm. Das hat auch gut funktioniert. Wenn ich morgens aufgestanden bin und es ging mir dreckig, hielt mich die Aussicht aufrecht, dass ich wenigstens nicht den ganzen Tag durchstehen müsste. Und ich hatte Ansprache und wenigstens das Gefühl, Teil der Gesellschaft zu sein. Das war mir unheimlich wichtig und hat mich auch getragen.

Dann nach einer Woche Vollzeit hat mich eine Mörder-Erkältung erwischt. Was für mich sogar ein gutes Zeichen war, ich war jahrelang immer irgendwie krank und nichts kam raus. Dass ich, wie alle anderen “normalen” Menschen auch, einfach nur eine Erkältung kriegen kann, war so wunderschön. Unfassbar, für was man alles dankbar wird.

Ich begann mich mehr und mehr zu verändern und fand das gut. Gleichzeitig mit dieser Selbstfindung kam die Erkenntnis, was dieses chronisch krank in allerletzter Konsequenz bedeutet. Es bedeutet nicht, dass mein Leben vorbei ist, sondern dass ich aufhören kann, immer nur auf Besserung zu warten. Dass ich eben das genieße, was ich habe. Das mag in anderen Augen vielleicht lächerlich klingen, aber eine Tasse Kaffee wirklich genießen muss und kann vor allem den Stadtbummel im Frühling ersetzen. Ich weiß nicht, wie die ganze Geschichte weitergeht. Ob ich tatsächlich im Mai, wenn meine vier Monate vorbei sind, tatsächlich einen gewissen Grad an “Fitness” erreiche. Wie lange es dauert, bis der Scheiß zurück kommt. Ob er überhaupt zurück kommt. Erstens stecke ich mitten in der Behandlung und zweitens kann ich den Verlauf eh nicht aufhalten oder beeinflussen. Und dann ganz wichtig: wenn ich durch die Lieblingskollegin etwas gelernt habe, dann, dass das Leben so verdammt kurz ist. Und dass es tatsächlich so ist, dass Gott laut lacht, wenn man ihm von seinen Plänen erzählt. Das Jetzt zählt.

Ich habe also verinnerlicht, dass ich den Alltag zelebriere. Dass ich mich um mich kümmern muss. Dass es mir verdammt gut gehen kann, auch wenn durch Krankheit und geschädigte Nerven mein Körper nicht so wirklich mitziehen mag. Dass ich mir mein Heim eben schön mache, weil ich das Draußen momentan? für immer? abschreiben kann. Mein Häuschen, so schön. So sicher. Mein Hafen und Kraftort.

Der Körper, der so viel hat mitmachen müssen und immer noch mitmacht, braucht spezielle Pflege und Aufmerksamkeit. Ich merke, dass ich für einen 100%-Job nicht die Kraft habe. Noch vor ein paar Wochen hätte ich das ignoriert. Ich hätte eben den Arbeitsalltag gewuppt und mich und mein Privatleben ignoriert. Dazu bin ich aber nicht mehr bereit. Wenn es eben Vollzeit nicht geht, dann Teilzeit. Ich will nicht so existieren, dass ich abends im Schlafzimmer liege, weil alle Nerven buchstäblich blank liegen (psychisch weil überreizt, körperlich mit Ataxie und/oder Übelkeit) und mich nur der Gedanke aufs Wochenende aufrecht hält. Weil ich dann da, nachdem ich den Haushalt, den ich unter der Woche nicht packe, genug Ruhe habe, um zu lesen oder mich auf mich zu konzentrieren. Dabei aber die ganze Zeit zu tot zum Telefonieren bin. Oder zum Bloggen. Geschweige denn, mal Bekannte zu besuchen. Es gibt jetzt kein “wenn ich wieder gesund bin” mehr für mich. Es gibt nur noch ein “wie hole ich das beste für mich aus den Gegebenheiten raus”. Also habe ich mich Anfang der Woche entschlossen, die Sache mit der Teilzeitarbeit anzuleiern. Ob es vielleicht die Möglichkeit der Befristung gibt. Wie viel das letztendlich netto ausmacht, all sowas. Und dann ernsthaft in Erwägung ziehen.

Donnerstag kam ich nach Hause. Der Waschbär verkündete, dass es einen Interessenten für unser Häuschen gäbe. Auch hier gilt: Fakten auf den Tisch. Das Haus gehört seiner Mutter. Zwar war immer wieder die Rede davon, dass wir es überschrieben bekommen, aber noch gehört es ihr. Es stand wohl schon immer im Raum, dass, sollte es jemals einen Interessenten geben, der den verlangten Preis zu zahlen bereit ist, das Haus verkauft wird. Das war/ist aber so utopisch, dass das nie ernsthaft im Raum stand und noch nicht mal mehr im Hinterkopf war.

Bäm! das Haus wird verkauft werden. Das Heim, das ich mir geschaffen habe und das mir soviel Sicherheit gibt.

Es gäbe die Option, Schwiegermamas Häuschen zu bekommen. Es ist alles, nur nicht altengerecht und mit Mitte 60 und ein paar Ersatzteilen in den Gelenken will sie was Neues für sich. Es ist im verhassten Nachbarlandkreis. Es ist häßlich. Ich will hier nicht weg. Aber finanziell wäre es so immerhin von Vorteil. Ich könnte weiter nach mir schauen und man kann alles zu seinem Heim machen. Blöder Zeitpunkt und von nicht vorhandenen Kräften für einen Umzug mal ganz zu schweigen, aber ein Plan B.

Nun ist es so, dass der Waschbär eben grundsätzlich anders an solche Dinge herangeht als ich. Schon zu Zeiten, als ich noch fit war. Er geht schonmal nicht davon aus, das dieser Interessent überhaupt die Finanzierung für unser Häuschen hinbekommt. Und selbst wenn, dann kauft man eben ein neues Haus. Also nicht dieses häßliche Reihenhaus, in dem seine Mutter gerade wohnt, sondern ein ganz eigenes, hübsches Häuschen. Wir bekommen einen Anteil an der Verkaufssumme und der Rest wird finanziert. Ein freistehendes Fachwerkhaus mit Garten. Und am Liebsten noch Anbau.

So ein kleines bisschen Weltuntergang war für mich, dass mein Hafen weg ist. Gerade, als ich nach Langem endlich, endlich wieder Lebensqualität hatte. Gut, das war eigentlich ein großer Weltuntergang. Ein weiterer Weltuntergang war, dass ich eben nicht Teilzeit arbeiten kann, weil ich eine Hausfinanzierung eben nicht so gechillt sehe, wie mein Optimistenbär. Der allerschlimmste Weltuntergang ist aber: die ganze Nummer jetzt läuft genauso wie die Sache mit dem Arzt. Ich bin tatsächlich absolut verzweifelt im Moment. Entwurzelt und das erste Mal überhaupt: hoffnungslos. Nicht mal mehr so sehr wegen der Wohnsituation, sondern weil der Waschbär mich einfach im Stich lässt. Weil er geradezu aggressiv wird, wenn ich hier verzweifle. Weil er sich einfach hinlegt und schläft oder vor den PC sitzt. Weil er total kühl mir gegenüber ist.

Ich weiß, dass wir im Moment so gar keine Pläne machen können, weil alles so dermaßen schwammig und im Anfangsstadium ist. Aber ich kann psychisch und physisch gerade nicht sachlich an die Sache herangehen. Absolut nicht. Und ich weiß auch, dass es seine Art ist, mit schlechten Dingen umzugehen, indem er sie einfach buchstäblich zu Tode ignoriert. Nur hilft mir dieses Wissen absolut nicht weiter. Im Gegenteil. Ich bräuchte jetzt einfach dringend einen Menschen, der mich in den Arm nimmt. Der sich meine Ängste anhört. Und der ein ganz kleines bisschen empathisch ist und mich und meine Sorgen ernst nimmt. Wenigstens einmal im Leben.


07
Feb 14

Veränderungen

Ich vermute mal, dass das nicht der einzige Artikel bleibt, der sich damit beschäftigt, wie ich mich verändert habe. Also im doppelten Sinn – sowohl persönlich als auch die Art und Weise.

Ich bin erwachsen geworden. Früher dachte ich immer, das sei das Schlimmste, das einem passieren kann. Jetzt bin ich froh. Ich mag den Menschen, der ich bin. Als “ich” habe ich mich nämlich nie wirklich wahr genommen. Da waren immer Menschen, deren Gefühle wichtiger waren als ich. Da waren Rollenbilder, die ich erfüllen wollte. Meine Bedürfnisse konnte ich schlicht deshalb nie erfüllen, weil ich sie nicht hatte. Oder spürte. Oder mir erlaubte, sie zu spüren. Whatever.

Ich nahm mir zwar oft vor, zukünftig egoistischer zu werden – egoistisch insofern, als ich zuallererst nach mir schauen muss, nicht egoistisch insofern, als andere unwichtig werden – habe das aber nie geschafft. Jetzt mache ich das automatisch. Ich muss nicht nachdenken oder mich zwingen, ich weiß schlicht und ergreifend, dass niemand für mich oder meine Gefühle verantwortlich ist. Genausowenig, wie ich für die Gefühle anderer zuständig bin. Früher habe ich ganz automatisch das gemacht, was den anderen glücklich macht. Einfach, weil ich besser wusste, was anderen guttut, als ich das von mir selber wusste.

Das Tolle daran ist ja, dass das ganz automatisch passiert ist. Ich habe das Häuschen umgestaltet. Mir ist gerade mehr nach cleanem Wohnstil, als nach Romantik. Und ich brauche Klarheit, aber auch Geborgenheit, also habe ich aufgehört, mit Kompromissen zu leben, sondern mir wirklich jede Ecke hier gemütlich und schön gemacht. Weil ich selbst Alltägliches so wirklich genießen und manchmal richtiggehend zelebrieren kann. Eine Zeitschrift beispielsweise liest sich in einer hübschen Leseecke mit Kerzenschein eben doch ganz anders. Ein Stück Lebensqualität.

Überhaupt, Zelebrieren ist mir mittlerweile sehr wichtig geworden. Das Leben ist so verdammt kurz und nichts, wirklich gar nichts, ist sicher. Was habe ich also davon, wenn ich meine Bodylotion von Chanel für die wirklich wichtigen Anlässe aufhebe, mich aber morgen der Schlag trifft? Eben. Ein paar Kerzen beim Duschen, anschließend genussvoll eincremen und schon ist der Abend etwas besonders. Selbst, wenn es nur ein Montag ist. Warum das teure Parfüm aufsparen, wenn man doch gerade im grauen Alltag gut Glamour braucht? Selbst morgens ins Büro gehen ist sagenhaft – nach einem halben Jahr, indem ich nicht mal an die Mülltonnen gehen konnte, ist das ein wunderbares Gefühl. Das teure Geschirr, die tollen Gläser im Schrank stehen lassen? Zu was? Orangensaft aus Weingläsern schmeckt nicht nur, sondern gibt ein gutes Gefühl. Und wenn´s zu Bruch geht – man kann es ersetzen. Lebenszeit und vor allem -qualität nicht.

Es ist glaube ich nicht mal diese Krankheit, beziehungsweise die Art und Weise, wie mit mir umgegangen wurde, die mich so traumatisiert hat (nicht nur), sondern das Wissen, dass unheimlich viel Zeit dadurch einfach verloren ging. Ich bin leider immer noch nicht mobil genug für Museumstouren oder selbst Kinobesuche. Aber ich genieße jeden Augenblick, einfach, weil er kostbar und einzigartig ist. Und schon allein, dass ich das kann, ist schon ein riesiger Fortschritt :D Nicht mehr abwarten, bis es besser wird, oder mir endlich jemand hilft, sondern genießen, leben und – hoffentlich – wieder ganz auf die Beine kommen.

“Erwachsen sein” heißt für mich: meine Naivität ist verpufft. Ich sehe vieles klarer, kann mich aber entscheiden, ob und wie ich die Welt an mich heranlasse. Nachrichten sind ein Jammertal. Aber indem ich das Leid der Welt auf mich lade, mache ich sie dadurch kein Stück besser. Ebenso habe ich jetzt endlich erkannt, dass der einzige Mensch, der für mich verantwortlich ist, ich bin. Wenn´s hart auf hart kommt, ist man eh auf sich allein gestellt. Es gibt keine Zauberfee, die kurz schnippt und alles gut macht. Nach mir selbst schauen heißt für mich Verantwortung tragen.


24
Jan 14

Lebenszeichen

Demnächst geht´s hier weiter – versprochen.

Das letzte Jahr war hammerhart. Tatsächlich und absolut furchtbar. An einem schönen Sommertag im Mai hat es mich buchstäblich umgehauten. Von einem Tag zum anderen war ich zu gar nichts mehr fähig – gehen, stehen, denken, sprechen – nichts davon ging mehr. Die Geschichte ließe sich jetzt ins Unendliche ausdehnen, von Ärzten, die wieder per Sichtdiagnose eine psychische Ursache diagnostizieren, von einem Arzt, der endlich, endlich untersucht und noch wichtiger: gefunden hat, von Kampf mit der Krankenkasse, von ewig langer Behandlung und K(r)ampf….

Aber das will keiner lesen – und deshalb auch die lange Funkstille. Ich weiß jetzt, dass mein Nervensystem in den letzten Jahren buchstäblich vor die Hunde ging und dass das an einer jahrelang gepflegten, weil unbehandelten, Neuroborreliose liegt. Die Behandlung ist lang und zäh, momentan bin ich im zweiten Zyklus. Aber ich kann seit Dezember wieder arbeiten gehen und bin wieder Mensch. Zwar verändert und zehn Kilo leichter, aber am Leben.

Zu meinem ganzen Gesundheitsdrama kam noch eine erschütternde Nachricht, die mich immer noch beschäftigt und mich das Leben ganz anders wahrnehmen lässt: Ich hatte Recht. Mitte Juli hat sie sich nach über 35 Dienstjahren zum ersten Mal krank gemeldet. Am dritten August ist sie gestorben.

 


19
Mrz 13

Nerdifiziert

Hier läuft zu oft the big bang theory. Genaugenommen werktäglich zwischen 18 und 19 Uhr. Die Katzlinge scheint das mehr zu beeinflussen, als mir bewusst war.

Aus Sender A lief hier nämlich ein Nachrichtenmagazin als ich kurz weg bin, um das Bad zu putzen. Und kaum komme ich zurück, läuft Sender E – auf dem Raumschiff Enterprise kommt!


13
Mrz 13

Huch!

Holla, schon wieder vier Wochen seit dem letzten Post vorbei? Die Zeit rast. Ist ja aber auch kein Wunder, wenn man ständig beschäftigt ist. Mit schönen Dingen, mit Alltag, mit nervigen Dingen – Leben halt. Und da fiel das Internet irgendwie hintenüber. Wobei, dank kleiner mobiler Geräte hab ich immerhin mitbekommen, was bei euch so los ist, ich war nie ganz weg ;-)

And now for something completely different: Wo/wie kann ich einstellen, dass man einzelne Kommentarthreads abonnieren kann? Der Waschbär war darauf angesetzt und wurde in der “ich weiß es nicht, ich muss mich festbeißen”-Phase leider von einem neuem Spielzeug abgelenkt. Weil wenn man jetzt nicht nur großes HD, sondern auch 3D und Internet und Firlefanz im TV hat, ist man erst mal selig (und ist ja auch gut so).


22
Feb 13

Persönlichkeit

Habe mich gerade beim Lesen einer Zeitschrift übel verschluckt und will nicht alleine husten:

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20
Feb 13

Hangover

Die letzten Tage war ständig etwas zu feiern. Das neue Auto, mein Geburtstag und dann der des Waschbären und der der kleenen Punkmaus. Ich hatte Urlaub und jeden Tag Aufregung und Spaß.

Und jetzt ist einfach nur Mittwoch und alles normal. Mitten in der Nacht klingelt der Wecker und dann soll man auch noch raus ins Kalte und an einen öden, grauen Ort, nur um so etwas Profanes wie Geld verdienen zu tun. Und alle sind so ernst! Irgendwie doppelt öde. Immerhin: heute ist zwar gefühlt Montag, aber doch schon Mittwoch.

*seufz*